Mini - Ein Kuh-Leben auf Salms Bauernhof

Am 19.06.1999 kam bei uns ein kleines helles Kälbchen zur Welt, Mini haben wir es später mit Namen getauft. Das ist zunächst mal auf einem Bio-Bauernhof nichts ungewöhnliches und auch nichts, was 18 Jahre später noch eine Meldung wert wäre. Minis Leben möchte ich hier mal kurz erzählen, damit einmal klar wird, warum Bio-Tiere manchmal ein anderes Leben haben als anderswo.

Mini hat ihren Namen bekommen, weil sie in ihrem Geburtsjahr im Gegensatz zu ihren zwei wesentlichen Spielkameraden immer deutlich kleiner war. Ihre Mutter wurde ebenfalls steinalt und war noch von klassisch rot-bunter Abstammung.

Das sind die braun-weiß-gefleckten Tiere, die hier bis in die 1980er Jahre als traditionell angepasste Rinder gehalten wurden, bevor optisch ähnliche mit mehr Milchleistung ausgestattete auch hier die Milcherzeugung übernommen hatten. Bei uns spielte dieses Milchmengenkriterium keine so große Rolle, müssen die Kühe ja nur Milch für die Kälber bereitstellen.

Als junge Erwachsene hat Mini an einem Jugendaustausch teilgenommen und den Sommer 2000 auf Weiden in Bad Lippspringe zu gebracht, wo sie sich auch Ihre erste Schwangerschaft zugezogen hat. In der Zwischenzeit wuchsen Mini auch zwei typische Hörner, mit denen sie ihrer wohl angeborenen Stellung als Leittier Nachdruck verlieh - da passte der Name "Mini" dann auch nicht mehr.

Minis Leben war fortan das einer glücklichen Mutter. Sie kümmerte sich nicht nur um Ihre eigenen 16 (!) Kälber mit Liebe und Fürsorge, sondern half als erfahrene Führungskraft den jungen Müttern oder auch mir, falls während der Sommersaison auf der Weide etwas nicht stimmte, auch wenn es manchmal schwierig war ein "Muh" vom anderen "Muh" zu unterscheiden.

Mein Kommilitone Philip Wenz hat aus dem Dilemma des Missverstehens mit Rindern eine eigene "Sprachschule" gemacht - Gruß an der Stelle!

Nun mussten wir Mini, die nach einem langen Kuhleben mächtig ergraut und kräftemäßig am Ende war, nach einigen Tagen Hospiz einschläfern lassen.

Das ist zwar einerseits traurig, andererseits bin ich davon überzeugt, dass ein achtungsvoller Umgang mit Tieren nur auf solche Art und Weise möglich ist und nicht immer der Metzger oder noch schlimmere Gesellen über den Tod der Tiere verfügen, bzw. Behörden vorschreiben, was Tiere toll zu finden haben und was nicht.

Tiere, die einer Zucht entspringen, die zu kurzfristigen Höchstleistungen in Form von Milch oder Fleisch genetisch gezwungen sind, werden diese Achtung nicht aufnehmen, weil sie ein dafür passendes Alter gar nicht mehr erreichen. Ein anderer Bekannter, Dr. Günter Postler in Bayern kümmert sich mit anderen daher um den Erhalt solcher Genetik - Stichwort: Zucht auf Lebensleistung.

Das spart den Tieren täglichen Leistungsstress zugunsten eines längeren Lebens.

Und noch etwas tröstet mich an dieser Stelle: Minis erste Tochter ist auch schon 16 Jahre, hat 13 Kälbern das Leben geschenkt und wird den vakanten Posten der Leitkuh bestimmt problemlos übernehmen können!

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